Alle Preisträger*innen der Internationalen Wettbewerbe
Internationaler Wettbewerb Expanded Media
JURY: Cinzia Nistico, Diana Yasmin Haddad, Martin Dörr, Wagehe Raufi
EXPANDED MEDIA
Der Preis der Jury für Expanded Media (1.500 Euro) geht an Clemens Schöll für seine InstallationFREE AS COFFEE
- Jurybegründung: Mit seiner partizipativen Installation schafft der Künstler einen multimedialen Raum an der Schwelle zur realen Umgebung. Für seine interaktive Installation wählt der Künstler eine klare, ästhetische Formsprache, die an einen Coffee Shop erinnert, wie wir ihn auch in Stuttgart, Berlin, Amsterdam, New York, Mexiko-Stadt oder Singapur vorfinden könnten. Er nutzt das alltägliche Ritual des Kaffeetrinkens als niederschwelligen Zugang, um die Besuchenden in ein systemisches, performatives Zusammenspiel einzuführen, an dem sie bereitwillig teilhaben und sich ohne große Instruktionen zurechtzufinden scheinen. Die leicht zu verdauende Oberfläche führt die erschöpften Besuchenden auf subversive Art die Auswirkungen von Technologien, insbesondere Automatisierung, auf unsere Gesellschaft vor Augen. Im Zentrum steht der optisch explodierte Vollautomat, der zum maschinellen Performer mit disruptivem Charakter wird. Auf humorvolle Art transformiert er den Ausstellungsraum und führt die Konsumierenden in ein performatives System ein, dessen körperliche Auswirkungen weit über den Ausstellungsraum hinausreichen
LOBENDE ERWÄHNUNG
Eine Lobende Erwähnung geht an Peter Moosgaard für seine Installation Angel (fine dust)
- Jurybegründung: Eine holografische Installation mit mehreren aufeinanderliegenden, sich überschneidenden, Glasscheiben, auf denen der Künstler die Feinstaubmuster von Vogelkadavern akribisch eingraviert hat, die er auf Fensterscheiben vorgefunden hat. Algorithmisch animierte LED-Leuchten erzeugen die Illusion von Bewegung. Die Installation thematisiert die unsichtbare Reibung zwischen der Natur und dem vom Menschen geschaffenen Lebensraum. Der Künstler nutzt physische Handlungen, indem er die verbleibenden Spuren der Vögel forensisch sammelt und für den Betrachtenden sichtbar macht. Dieser Moment schärft das Bewusstsein und macht das Unsichtbare sichtbar, indem er die Barriere zwischen der von Menschen geschaffenen Umwelt in unserer Zivilisation und der Natur auflöst. Die Wahl von Glas als Medium in Kombination mit dem Thema schafft eine klare Kohärenz und evoziert eine poetische Inszenierung. Das Werk offenbart erneut den Willen des Menschen, die Natur zu unterwerfen, indem es illusorischen Bildern toter Vögel Bewegung auferlegt.
LOBENDE ERWÄHNUNG
Eine zweite Lobende Erwähnung geht an Alisa Berger für ihre VR- und Videoinstallation RAPTURE
- Jurybegründung: Rapture ist eine Zweikanal-Installation von Alisa Berger, die aus zwei Teilen besteht: einer Videoprojektion und einer VR-Installation. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges in der Ukraine dreht sich dieses Werk um einen Vogue-Tänzer und seine verlassene Wohnung in der Region Donbass. Die Jury hat dieses Werk aufgrund seines Mutes und seiner Kühnheit ausgewählt. Eine Erzählstimme fordert den Betrachtenden auf, in eine unsichere Umgebung einzutauchen und zwingt ihn zu einer außerkörperlichen Erfahrung. Die VR-Installation bezieht den Körper direkt mit ein, beunruhigt ihn, löst ihn auf und bringt ihn zurück, was ein fragiles Gefühl der Erleichterung hervorruft. Die Künstlerin scheut sich nicht, den Betrachtenden extremen Körperempfindungen auszusetzen, und trotz ihres biografischen Ansatzes thematisiert dieses Werk universelle Erfahrungen wie Angst und Unsicherheit.
2 Minuten Kurzfilmpreis
JURY: Katharina Vogt, Marius Schwingel, Neriman Bayram
2 MINUTEN KURZFILMPREIS
Der 2 Minuten Kurzfilmpreis (1.500 Euro) geht an Once Lake Urmia von Reza Golchin
- Jurybegründung: Eine Minute, zwei Bilder. Mehr braucht dieser Film von Reza Golchin nicht, um ein Requiem für einen sterbenden Riesen zu schaffen. Das erste Bild blickt auf eine Wüste, auf die Umrisse des ausgetrockneten Urmiasee, einer der größten Salzwasserseen in Iran. Die zweite Einstellung schenkt uns das Wasser zurück. Wir sehen die Leichtigkeit, das Lachen der Schwimmenden. Mit einer schmerzhaften Präzision führt uns dieser Film in nur zwei Bildern das Ausmaß einer ökologischen und menschlichen Katastrophe vor Augen. Ein filmisches Haiku.
LOBENDE ERWÄHNUNG
Eine Lobende Erwähnung geht an VIS von Christian Aberle und Melas Eichhorn
- Jurybegründung: In einer bewusst schlicht gehaltenen Ästhetik gelingt es dem Künstler*innenduo, durch das Zusammenspiel von abstrakten Zeichnungen, Sprache als Lufthauch und Sound Collage eine traumatische Geschichte zu erzählen, ohne die Betrachtenden zu überwältigen. Ein Satz schenkt Hoffnung und leitet über zum Finale, der einen weiten Horizont öffnet und sinnlich nachhallt.
LOBENDE ERWÄHNUNG
Eine Lobende Erwähnung geht an Mothra against prehistoric Creatures von Vera Sebert
- Jurybegründung: Dieses filmische Kunstwerk hält uns wie Motten in einem Lichtkegel. Neben einem omnipräsenten Plastiksaurier als Fixpunkt, der immer wieder sein Maul aufreißt, spielen surreale Insekten eine zentrale Rolle. Sie werden durch Nahaufnahmen in ein fast außerirdisches Licht gerückt. Ein rasanter Mix aus leuchtend roter Typografie, Sprachfetzen, verzerrten Bilderwelten und einem dissonanten Soundteppich, entführt uns in ein filmisches Feuerwerk und lässt nicht nur die Herzen von Godzilla-Fans höher schlagen.
Internationaler Kurzfilmwettbewerb
JURY: Amos Ponger, Monika Nuber, Sabrina Schray
NORMAN 2026
Der Norman 2025 (4.000 Euro gestiftet von der Landeshauptstadt Stuttgart) geht an Ich hätte lieber einen anderen Film gemacht von Suse Itzel
- Jurybegründung: In ihrem ästhetisch feinsinnigen und kraftvollen Werk führt uns die Regisseurin durch die Räume, in denen sie ihre Kindheit verbrachte. Verschwommene Spuren verbergen und bezeugen zugleich, was dort geschah. Wir sitzen in unseren Kinosesseln, in denen wir uns normalerweise als Zuschauer wiederfinden, und werden nun Zeugen der traumatischen Erlebnisse, die sie in diesen Räumen durchmachte. Die von der Filmemacherin gewählten künstlerischen Methoden helfen uns, die Mechanismen traumatischer Erinnerungen und deren Einschreibung in den Alltag zu verstehen. Projizierte Überlagerungen, Ausschnitte, die Oberflächen durchdringen, und Möbelinstallationen, in denen Objekte Erinnerungen an Ereignisse binden. Mit diesen filmischen Mitteln fand die Künstlerin einen bemerkenswerten Weg, sich ihre eigene Geschichte anzueignen und sie zu gestalten. Dieser Film ist mutig, wichtig, persönlich, politisch und in seiner künstlerischen Umsetzung einzigartig komplex und zugleich zugänglich. Lassen Sie diesen Film für sich selbst sprechen!
LOBENDE ERWÄHNUNG
Eine Lobende Erwähnung geht an Analogue Natives von Bernd Lützeler
- Jurybegründung: In dieser packenden Dokumentation scheinen mehrere Handlungsstränge und Erzählungen zunächst unabhängig voneinander zu sein: ein Leopardenangriff auf streunende Hunde, der Einsturz eines Gebäudes, dokumentiert mit Handys, Archivmaterial aus Bollywood-Filmen und die Innovationen von Zelluloid-Filmtechnikern in Mumbai. Doch alles ist miteinander verbunden. Ein Wandel ist im Gange. Universelle Ängste und Herausforderungen verbinden uns alle: neue Technologien, der Druck zur Anpassung und gleichzeitig die Freude am menschlichen Erfindungsgeist. Dieser Film ist warmherzig und äußerst unterhaltsam, nicht nur für Fans des analogen Films oder Cineasten, sondern für uns alle, die wie wir von Einstürzen erschüttert und von Improvisation beflügelt werden.
TEAM-WORK-AWARD
Der Team-Work-Award (2.000 Euro gestiftet von Ritter Sport) geht an O Jardim em Movimento von Inês Lima
- Jurybegründung: Dieser Film wechselt ständig: von hypnotisierender Schönheit zu verstörender Bedrohung und wieder zurück? Von zärtlich erwachender Sehnsucht zu zerstörerischer Verletzung und wieder zurück? Von trockenem Humor zu psychedelischer Magie und wieder zurück. Es bleibt unklar, wer wen beobachtet, verführt, bedroht oder in sich aufnimmt. Diese Oszillation verdankt sich dem harmonischen Zusammenspiel der filmischen Mittel: dem nostalgischen Klang analoger Bilder, den üppigen, leuchtenden Farben, den gierigen Zooms einer ansonsten verträumten, zurückhaltenden Kamera, den erhabenen Klanglandschaften und Harmonien, in denen Dissonanzen mitschwingen. Das einstudierte, komische Spiel der Darsteller, hinter dem die Ernsthaftigkeit jugendlicher Sehnsucht schwingt. Dieser Film wechselt ständig, und doch sind seine formalen und thematischen Gegensätze voneinander abhängig und miteinander verwoben – dank künstlerischer Entscheidungen, die sich einer spielerischen, freien Herangehensweise nicht verschließen.
WAND 5 EHRENPREISJURY
Die Auswahlkommission Film von Wand 5
Der Wand 5 Ehrenpreis geht an Who was here? von Evi Stamou
- Jurybegründung: Evi Stamou führt in "Who was here?" die goldene Technologie KI ad absurdum und macht das Scheitern selbst zu einem Goldstück filmischer Erzählung: im Gespräch mit ihrem künstlichen Gegenüber zeigt sie immer wieder auf, welche Leerstellen menschlicher Geschichte künstliche Prozesse nicht zu füllen im Stande sind, bis Letztere die Leerstellen in ihren eigenen Prozessen eingestehen müssen und sogar die Mechanismen ihrer Unzulänglichkeiten offenlegen. Stamou's Experiment scheint ob der generischen Datengrundlage und der folglich ebenso generischen Antworten von Anfang an zum Scheitern verurteilt und doch schafft sie es, dem Datenmüll eine Form, dem Gespräch eine Richtung und letzten Endes der Leere eine "Geschichte" zu verleihen, dass wir gerne dran bleiben und das Ende der Geschichte hören wollen. Die Magie des Films. Und so wird aus dem Müll der künstlichen Akteurin das Gold der künstlerischen Akteurin. Die Alchemie der Regie.


































































