33. Stuttgarter Filmwinter — Festival for Expanded Media

Ausstellung Expanded Media

Ausstellung Expanded Media
Expanded Media Exhibition
Medien im Raum & Network Culture Wettbewerb
Kunstbezirk

Leonhardsplatz 28
70182 Stuttgart

U-Bahn / Bus: Rathaus

Kunstbezirk

Leonhardsplatz 28
70182 Stuttgart

U-Bahn / Bus: Rathaus

Gezeigt werden künstlerische Werke aus den internationalen Wettbewerben Medien im Raum und Network Culture.
Dazu zählen grenzüberschreitende Formate zwischen Performance, Installation, Expanded Cinema und Netzkunst wie zum Beispiel interaktive Web- und Social-Web-Projekte oder Interventionen
im öffentlichen und virtuellen Raum.

Öffnungszeiten Ausstellung Expanded Media im Kunstbezirk
Do 16.01.20 17:00–18:30
Fr 17.01.20 14:00–19:00
Sa 18.01.20 14:00–19:00
So 19.01.20 14:00–18:30
Mo 20.01.20 geschlossen (individuelle Gruppenführungen auf Anfrage)
Di 21.01.20 15:00–21:00

Ausstellung und Begleitprogramm – Eintritt frei

Führungen
Do 16.01.20 17:00 (Vernissage mit Eröffnungsrundgang)
Fr 17.01.20 14:00
Sa 18.01.20 14:00
So 19.01.20 14:00
Familienführungen mit Sara Dahme
So 19.01.20 15:45

Individuelle Gruppenführungen
Kontakt für Anfragen: marcus.kohlbach@wand5.de

Treffpunkt Führungen: Infotheke

Events
Di 21.01.20 19:00
Performance Tryouts IX
Studierende der ABK Stuttgart (Performance–Modul Cindy Cordt) bespielen für einen Abend den Raum zwischen den Kunstwerken der laufenden Ausstellung Expanded Media.

Wettbewerb Medien im Raum


Bystander

Liu Chang
Hong Kong 2019
Interactive film installation
https://lunaliu.info/g-bystander

cover

Bystander ist eine interaktive Film-Installation, die es dem Publikum erlaubt, sich in die Lage eines traumatisierten Mädchens hineinzuversetzen, das in ihrer Kindheit missbraucht wurde. Als Erwachsene leidet sie unter posttraumatischer Belastungsstörung, Depersonalisationsstörungen, Sozialen Phobien und Depressionen. Auf Gazeschichten, durch die man hindurchgehen kann, werden Fragmente ihrer Erinnerungen projiziert. Durch das interaktives System der Installation ist es dem Publikum möglich, sich in das bizarre Innenleben des Mädchens hineinzubegeben.

Erinnerungslücken/ Innere Sicherheit

Katharina Kohl
Deutschland 2018
2-channel installation
http://personal-befragung.de/

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Die Erinnerungslücken (aus dem Projekt Personalbefragung/Innere Sicherheit) zeigen Ausschnitte aus Protokolltexten des ersten Untersuchungsausschusses des Bundestages zum NSU. Diese wurden im Druckverfahren teilweise geschwärzt. Ausgespart wurden lediglich jene Stellen, an denen die Zeugen sich nicht erinnern konnten oder wollten. Sprachliche Stilblüten, gewachsen durch die Vermeidung konkreter Aussagen, verbinden sich mit der mit vielen politischen Assoziationen verbundenen Schwärzung. Über den Protokollen zieht im Video ein Band taumelnder hängender Ordner vorbei, wie bei einem Kettenkarussell.

Real Performance

Grace Phillips & Laurie Robins
Vereinigte Staaten 2018
2-channel video installation, printed text
www.gracephillips.info
www.laurierobins.com

RP5

Real Performance inszeniert eine Wiederholungsübung in einem modernen Gemeinschaftsbüro. Diese Übung soll Schauspieler*innen darin schulen, Authentizität herzustellen; der Ausdruck spontaner, realer Emotion ist dabei das Ziel jeder neuen Performance. Im Video wird die Übung über die übliche Zeitvorgabe hinaus fortgesetzt und zwingt die beiden Schauspieler*innen dazu, die kontrollierten Grenzen ihres Trainings zu überschreiten. In regelmäßigen Abständen werden Zitate aus Managementlehrbüchern zu Emotional Leadership in die ansonsten improvisierte Übung miteinbezogen. Durch die Hervorhebung dieses Vokalbulars visualisiert Real Performance die Distanz zwischen zwei Vorstellungen von Empathie: als Methode aus Arbeitskraft Wertschöpfung zu erzielen und als starke, transformative Kraft, die einen alternativen Raum erzeugen kann – einen Raum, der spontan jede*m zugänglich ist, ein Widerstandsraum gegen Instrumentalisierung.

All Possible Futures: Quantum Flux I

Frederik De Wilde
Belgien 2019
Single-channel installation
https://frederik-de-wilde.com

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All Possible Futures: Quantum Flux I ist ein hypnotisches audiovisuelles Erlebnis und eine künstlerische Datenvisualisierung, die wie ein Portal ins Quantenuniversum funktioniert. Im Quantenraum (subatomarer Bereich) wird die aristotelische Logik von wahr und falsch, ja und nein sehr schwammig. Man findet sich in einem Meer aus Möglichkeiten – wie bei Alice im Wunderland. Um das Video zu produzieren, nutzte der Künstler eine zufällige Anzahl von Live-Datenströmen eines Tabletop-Laserexperiments mit verschränkten Photonen und leitete
diese Daten über das Internet in eine dafür angefertigte Software-Applikation.

They Came Together to Perform Heroic Gestures (in the manner that was meaningful to them)

Gordon Winiemko
USA 2019
Single-channel stereoscopic 3D video
https://vimeo.com/winiemko

Winiemko_They%20Came%20Together

Diese stereoskopische 3D-Videoarbeit stellt zwei Arten des Zeitvertreibs gegenüber – politischen Protest und Cosplay – um die Schnittstellen von politischen Aktionen und performativer Fankultur zu untersuchen. Indem die Rolle eines kulturell konstruierten Avatars (reproduziert und verstärkt durch digitale Medien) eingenommen und die Zugehörigkeit zu einer Stammesgruppe, einem Kollektiv, einer „Szene“ etabliert wird, vergegenständlicht der Teilnehmer das Ideal von Stärke und Gerechtigkeit.

Wettbewerb Network Culture

Pictures of Jap Girls in Synthesis

Eyal Gruss, Ayelet Sapirshtein, Vered Heruti
Israel 2018
AI art installation
https://youtu.be/4zdo-bPXszY

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Pictures of Jap Girls in Synthesis ist eine Maschine, die live visuelle Gedichte erzeugt. Die Maschine liest oder hört sich Gedichte in verschiedenen Sprachen an. Ein neurales Netzwerk versteht und interpretiert die Texte und setzt sie in Echtzeit in Bilder um. Die Ergebnisse sind weit davon entfernt fotorealistisch zu sein, sie sind eher von surrealistischer Qualität und beinhalten Farben, Formen, Strukturen, Muster und Objekte, die in Bezug zu den Worten und deren Kontext stehen, und so eine poetische Erfahrung erschaffen. Dichter können live mit der interaktiven Installation performen und bekommen dabei automatisch eine Simultanübersetzung ihrer Worte in visuelle Bilder. Man mag das koreanische Wort für „Blume“ nicht kennen oder das hebräische für „smaragdgrün“ – ein Bild sagt mehr als tausend Worte in tausend Sprachen, denn es ermöglicht ein synästhetisches und universelleres Erlebnis.

Cryptic Life Signs from the Multiverse

Karl Heinz Jeron
Griechenland 2019
Concrete sculpture, plastic, deep learning, electronics, soundscape
https://jeron.org/cryptic-lifesignsfrom-the-multivers/

CrypticLifeSignsFromTheMultiverse

Eine Betonskulptur erzeugt und singt mittels künstlicher Intelligenz (KI) eine unendliche Anzahl von Liedern. Die synthetischen Gesänge werden mit Hilfe eines KI Algorithmus generiert. Das heißt, Text und Melodie werden automatisch und die Singstimme synthetisch erzeugt. Die KI Software wurde mit Musikstücken aus dem Internet trainiert. Verwendet wurden Lieder, die mit den Schlagworten „love, hate, life, death, ecstasy, drunkenness, euphoria“ markiert waren. Jerons musizierende Maschinen verfahren nicht wirklich anders als jeder komponierende Mensch. Zunächst erlernen sie vorhandene Stilrichtungen, um dann ähnliche technische Reproduktionen der Stile zu schaffen. Die KI erkennt Muster in der Struktur eines Stücks − zum Beispiel die verwendeten Akkorde, die Noten einer Melodie, Wiederholungen oder Variationen. Basierend auf diesen Mustern vollzieht die KI die „Logik“ eines musikalischen Genres nach und erschafft schließlich einen unendlichen Fundus neuer Kompositionen.

Operation Jane Walk

Robin Klengel & Leonhard Müllner
Österreich 2018
Online Performance/Video, 16:14 Min., Software: “Tom Clancy’s: The Division” (Massive Entertainment/Ubisoft Entertainment)
http://leonhardmuellner.at/operationjanewalk/
http://www.refreshingfilms.com/

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Eine Stadtführung durch die Architekturen eines Online Shooters – Ausgangspunkt der Arbeit Operation Jane Walk ist der dystopische Mehrspieler-Shooter „Tom Clancy‘s: The Division“ (Ubisoft Entertainment 2016). Die digitale Kampfzone des Spiels wird durch einen künstlerischen Eingriff zweckentfremdet. Soweit es die Software zulässt, wird die militärisch-komponierte Umgebung im Sinne einer Stadtführung friedlich umgenutzt. Die Flaneur*innen gehen den Kämpfen weitestgehend aus dem Weg und werden zu friedlichen Tourist*innen einer digitalen, der Realität präzise nachempfunden Welt. Im Rahmen der performativen Lecture werden Architekturgeschichte, Urbanismus und die Eingriffe der Spieleentwickler*innen ins simulierte New York zum Thema gemacht.

Computer with an Internet Connection

Daniela Rossell & Galen Jackson
United States 2019
Single-channel video installation
https://www.greenenaftaligallery.com/artists/daniela-rossell
http://galenjackson.com/

ComputerWithAnInternetConnection

Computer with an Internet Connection ist ein Film in kontinuierlichem Flux, ein Film, der nie wirklich existiert. Er wird jedes Mal neugestaltet, wenn wir die Software auf einem Computer mit Internetverbindung abspielen. Das Programm nutzt künstliche Intelligenz, um die Einzelbilder von Dziga Vertovs wegweisendem experimentellen Dokumentarfilm „Der Mann mit der Kamera“ zu studieren, und ersetzt jedes Bild in Echtzeit mit einer neuen Doppelgänger-Variation, die das Programm in dem Moment auf den Straßen des Internets entdeckt. In Vertovs Originalfilm schult ein unbändiger Kameramann seinen Blick. Er versucht die Welt, die ihn umgibt, zu verstehen, sie wahrhaft zu sehen auf eine Art, die nur dem Kino möglich ist. In unserem Film wird der Algorithmus zu diesem „Kamera-Mann“, zum Auge, das die Labyrinthe des Internets nach Platzhalter-Bildern durchsucht, um zersplitterte und überraschende Geschichten in
unseren verwirrenden Zeiten zu erzählen.

To Call a Horse a Deer
指馬為鹿

IP Yuk-Yiu
Hong Kong 2018
Video game, color, sound
https://www.ipyukyiu.com/tocall

ToCall_fascism

To Call a Horse a Deer („Ein Pferd als Reh bezeichnen“) ist ein experimentelles Videospiel über Sprache, Hand-Auge- Koordination, die Beugung der Wahrheit
und Mittäterschaft. Der Titel der Arbeit ist eine Umkehrung des chinesischen Idioms „ein Reh als Pferd bezeichnen“, das für das vorsätzliche Durcheinanderbringen von Wahrheit und Unwahrheit steht. Das Idiom entstammt einer Geschichte aus dem klassischen chinesischen „Shiji“-Text (Die Aufzeichnungen der großen Historiker) in dem ein ehrgeiziger Qin-Politiker versuchte, Gegenspieler zu identifizieren und oppositionelle Meinungen zu unterdrücken, indem er andere davon überzeugte zu glauben, ein Reh sei ein Pferd. Diese alte Erzählung findet sich im
Geschehen von heute wieder, wo das Verbiegen von Wahrheit in der politischen Realität zum Alltag gehört und Regierungswerkzeug geworden ist. Das Spiel kann in verschiedenen Sprachen gespielt werden und stellt sowohl Spiegel als auch Kritik dar, ein Trainings-Simulator der Wahrheitsverbiegung und deren Widerstand.