32. Stuttgarter Filmwinter — Festival for Expanded Media

Emerging Artists Vol. 4 - Premiere
Specials
FITZ! Cinema

Eberhardstraße 61
Kulturareal „Unterm Turm“
70173 Stuttgart

U-/ S-Bahn / Bus: Stadtmitte / Rotebühlplatz / Wilhelmsbau

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Mit Emerging Artists – Contemporary Experimental Films and Video Art from Germany präsentieren AG Kurzfilm und German Films seit 2013 alle zwei Jahre ein Programm mit kurzen, experimentellen Arbeiten. Die Organisatoren möchten mit dem Programm stark künstlerisch ausgerichtete Film- und Videokunstarbeiten fördern, die nicht nur auf Festivals, sondern auch mittels des Kunstmarkts in Museen und Galerien ausgewertet werden können.
Die Jury für die vierte Ausgabe setzte sich aus Sarah Adam (A Wall is a Screen, Festival dokumentART Neubrandenburg), Marie-Thérèse Antony (DOK Leipzig - Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm), Carsten Aschmann (Filmemacher und Vertreter des Film- und Medienbüro Niedersachsen e.V.), Alice Koegel (Staatsgalerie Stuttgart) und Anne Turek (Geschäftsstelle AG Kurzfilm) zusammen.
Intro von Brigitta Burger-Utzer, Geschäftsführerin Sixpack Films.

Der experimentelle Kurzfilm, der Avantgardefilm, der Kunstfilm, die Videokunst, der personal film, der artists film oder wie man die Gattung sonst noch nennen könnte, haben Hochsaison. Während die Zuschauerzahlen im „regulären“ Kino eher sinken, ist in Kunstmuseen nicht nur die Ausstellung von Laufbildern ganz allgemein, sondern auch die Integration von Filmprojektoren, Black Boxes, ja eigenen Kinos ständig angewachsen. Zugleich ist die Zahl der Filmfestivals weltweit explodiert, um im speziellen Rahmen den innovativen Arbeiten ein Diskussionsforum und eine Plattform zu bieten. Räume der Bildenden Kunst und Filmfestivals suchen keine Blockbuster oder seichte Unterhaltung ohne kritisches Potential. Sie alle wählen ihr Programm aus nach künstlerischen Kriterien - ästhetischen wie gesellschaftspolitischen – und nicht nach den Erwartungen wirtschaftlicher Rentabilität.
Auch für die vierte DVD der Nachwuchstalente hat die AG Kurzfilm wieder einige Positionen versammelt, die vorführen, wie vielfältig die persönlichen Handschriften und formalen Zugänge sind: Ilaria di Carlo kombiniert eine spannende Architekturstudie von Treppenanlagen mit einer surrealen, paranoiden Performance. Die Touristen/innen in den Tropen kommen bei Clara Winter und Miguel Ferráez mit ihren widerstreitenden Gefühlen zu Wort. Während einer Sonnenfinsternis filmen Florian Fischer und Johannes Krell faszinierende optische Erscheinungen. Die Ungeheuerlichkeit, tödlich ausgehende Stunts in Actionfilmen zu belassen, veranschaulicht Jens Pecho und David Gómez Alzate widmet sich dem Phänomen, Lichtreflexionen zu sehen, obwohl kein Licht ins Auge fällt. Extrem abgelaufenes Super-8 Filmmaterial nutzt Marian Mayland für seine Kritik an der Zulassung ultrarechter Parteien in Deutschland. Die Emerging Artists sind auf der Höhe der Zeit.

The Divine Way
The Divine Way

Ilaria di Carlo, Deutschland 2018, Experimental, kein Dialog, 15:00 Min.

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In Anlehnung an Dantes "Göttliche Komödie" nimmt uns The Divine Way mit in den epischen Abstieg der Protagonistin durch ein endloses Treppenlabyrinth. Je tiefer sie kommt, desto bedrohlicher werden die Treppen – sie wird gefangen und in eine gefährliche Landschaft gezogen, die durch mehr als fünfzig Orte führt.

Beyond Beach
Beyond Beach

Clara Winter, Miguel Ferráez, Deutschland 2018, Experimental, Farbe, Sprache: Englisch, Spanisch, Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, 14:00 Min.

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Der Horizont ist von einem pastellrosa Nebel durchdrungen, wie ein unendlicher Sonnenuntergangs-Bildschirmschoner. Menschen aus allen Teilen der Welt sind hier gestrandet und machen von dem Vorteil Gebrauch, den die westliche Gesellschaft uns verspricht: der Möglichkeit, vor ihr zu flüchten.

Umbra
Umbra

Florian Fischer, Johannes Krell, Deutschland 2019, experimentelle Dokumentation, kein Dialog, 20:17 Min. (Ausschnitt)

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Der Film Umbra beschäftigt sich mit seltenen und häufigen optischen Phänomenen, die in der Natur vorkommen. Diese Phänomene erwecken vertraute Bilder wie Schatten oder Reflexionen auf einer Wasseroberfläche, aber auch ungewöhnliche wie das "Brockengespenst" oder den Nadelloch-Effekt während einer Sonnenfinsternis. Diese alten und natürlichen Projektionen können als vorkulturell und unabhängig von jeglichem Gerät betrachtet werden. Sie ereigneten sich schon vor der Menschheit und sind durch ihre immaterielle, flüchtige Präsenz vereint. In ihrer Immaterialität und Zerbrechlichkeit sind sie Vorläufer des Kinobildes. Umbra entwickelt einen visuellen Dialog zwischen Phänomen und Apparat, Archetyp und Bild, Selbst- und Selbstwahrnehmung.

Three Casualties
Three Casualties

Jens Pecho, Deutschland 2018, Experimental, Farbe, enthält Texte in Englisch, 7:18 Min.

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Das Video Three Casualties ist eine Untersuchung dreier Filmszenen, die je einen Stunt zeigen, welcher zum Tod des ausführenden Stuntdoubles führte. In manchen Fällen wurden diese Szenen im Film belassen, wodurch ein breites Publikum gleichzeitig einen realen, wie auch fiktionalen Todesfall auf der Leinwand sah.

Fosfeno
Fosfeno

David Gómez Alzate, Deutschland 2018, Experimental, kein Dialog, 11:15 Min.

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Fosfeno sind Lichtwahrnehmungen, die nicht durch Licht, sondern durch andere Reize auf das Auge im Gehirn erzeugt werden. Im Jahr 1967 veröffentlichte der Anthropologe G. Reichel-Dolmatoff eine Studie über eine Kultur der Aborigines, obwohl er den Stamm, um den es ging, nie besucht hatte und der einzige Informant, der dazu befragt wurde, sich weit außerhalb von dessen kultureller Umgebung und des Stammesterritoriums befand. Dabei entdeckte er einen Zusammenhang zwischen Halluzinationen und Phosphenen.

A Bar on Majorca
Eine Kneipe auf Malle

Marian Mayland, experimentelle Dokumentation, Sprache: Deutsch, Untertitel: Englisch, 15:00 Min.

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Essen, April 2016. Zwei obsolete Erscheinungen: Super-8 Filmmaterial, Kodachrome K40, etwa 30 Jahre nach Ablaufdatum belichtet - und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD).